Rechtsinfo - Arbeitsrecht



Steuerliche Absetzbarkeit von Sprachkursen im Ausland


von:  Rechtsanwalt Mirko Schmidt, Münster

Der Bundesfinanzhof (BFH) hat mit Urteil vom 24.02.2011 (AZ: VI R 12/10, veröffentlicht in: NJW 2011, 2543 f.) entschieden, dass die Kursgebühr und die Reisekosten für einen in Südafrika absolvierten Englisch-Sprachkurs, der nur Grundkenntnisse oder allgemeine Kenntnisse in einer Fremdsprache vermittelt von der Einkommensteuer als Werbungskosten absetzbar ist. Dieses gilt, wenn diese allgemeinen Kenntnisse für die berufliche Tätigkeit ausreichen.

 

Die Reisekosten für einen solchen Sprachkurs müssen aber aufgeteilt werden, da die Wahl, den Kurs auswärts zu besuchen, regelmäßig privat mitveranlasst ist. Als sachgerechter Aufteilungsmaßstab für solch gemischt veranlasste Kosten komme grundsätzlich das Verhältnis der beruflichen und privaten Zeitanteile der Reise in Betracht. Kann keiner der Beteiligten einen abweichenden Aufteilungsmaßstab nachweisen, so sei im Einzelfall von einer hälftigen Aufteilung sämtlicher mit der Reise verbundenen Kosten auszugehen.

 

Der BFH begründet dieses Urteil folgendermaßen:

 

"Werbungskosten sind Aufwendungen zur Erwerbung, Sicherung und Erhaltung von Einnahmen (§ 9 Abs. EStG). Nach ständiger Rechtsprechung des BFH gehören hierzu auch Bildungsaufwendungen, sofern sie beruflich veranlasst sind (BFH, NJW 2003,536). Eine berufliche Veranlassung ist gegeben, wenn die Aufwendungen objektiv mit dem Beruf zusammenhängen und subjektiv zu dessen Förderung getätigt werden (BFH, NJW 2007,1775). Ob ein konkreter Zusammenhang mit der Berufstätigkeit besteht, ist durch Würdigung aller Umstände des Einzelfalls zu beurteilen.

 

Bei auswärtigen Sprachkursen, ist im Rahmen einer Gesamtwürdigung weiter zu bestimmen, ob neben den reinen Kursgebühren auch die Aufwendungen für die mit dem Sprachkurs verbundene Reise beruflich veranlasst und demzufolge als Werbungskosten abziehbar sind. Der vollständige Abzug auch dieser Aufwendungen setzt voraus, dass die Reise ausschließlich oder nahezu ausschließlich der beruflichen Sphäre zuzuordnen ist. Das ist bei auswärtigen Sprachlehrgängen ebenso wie bei sonstigen Reisen vor allem dann der Fall, wenn ihnen offensichtlich ein unmittelbarer beruflicher Anlass zugrunde liegt und die Verfolgung privater Reiseinteressen nicht den Schwerpunkt bildet. Liegt der Reise kein unmittelbarer beruflicher Anlass zugrunde, sind die mit dem Sprachkurs verbundenen Reisekosten aufzuteilen, sofern der erwerbsbezogene Anteil nicht von untergeordneter Bedeutung ist."

 

Dieses auch für Arbeitnehmer erfreuliche Urteil sollte dazu führen, dass die Finanzämter ? anders als in der Vergangenheit ? auswärtige Sprachkurse und auch einen Teil der Reisekosten regelmäßig als Werbungskosten anerkennen. Letzten Endes fördert dies den Erwerb von Sprachkompetenz, dient somit dem beruflichen Fortkommen.

 

Eingestellt am: 19.10.2011