Rechtsinfo - Medizinrecht



Rechtsprechungsübersicht zur Haftung von Hebammen


von:  Rechtsanwalt Hans-Georg König, Münster
- Fachanwalt für Medizinrecht -


LG Osnabrück - 2 O 3935/04 -

Entscheidung vom 24.02.2010

Fundstelle: BeckRS 2010, 04666

 

Orientierungssatz:

Falsche Auswertung des Wehenschreibers durch Hebamme und perinatale Asphyxie. Hebamme ist keine Erfüllungs- und Verrichtungsgehilfin angestellter Krankenhausärzte, wohl aber des Krankenhauses.

 

Stadium: pränatal

 

Sonstiges: Haftung der Hebamme war Gegenstand eines außergerichtlichen Verfahrens

 

 

OLG Koblenz - 5 U 854/08 -

Entscheidung vom 05.02.2009

Fundstellen:

BeckRS 2009, 05286

LSK 2009, 280076

VersR 2010, 356 

OLG Report Frankfurt 2009, 401

 

Orientierungssatz:

Verabreichung von in der konkreten Situation kontraindiziertem Syntocinon (Nasenspray) zur Wehenförderung durch die Beleghebamme ist ein grober Behandlungsfehler. "Der Einschätzung dieses Fehlers als grob steht nicht entgegen, dass der gerichtliche Sachverständige die Applikation durch einen Arzt lediglich als "grenzwertig" bezeichnet hat. Anders als dem Arzt ist es der Hebamme nämlich nicht möglich, einer Entgleisung des weiteren Geburtsgeschehens durch sofortige Notsectio zu begegnen" (aus dem Leitsatz der LSK)

 

Stadium: perinatal

 

 

LG Dortmund - 4 O 159/04 -

Entscheidung vom 24.09.2008

Fundstelle: BeckRS 2009, 10118

 

Orientierungssatz:

Eine Hebamme muss bei einem suspekten CTG - unabhängig von der Möglichkeit eines schlafenden Kindes aufgrund von Medikamentengabe - eine weitere Aufklärung im Rahmen eines Dauer-CTG durchführen oder Personal hinzurufen. Bei einem als silent zu bezeichnenden CTG ist das sofortige Hinzurufen eines Arztes, das Schreiben eines Dauer-CTGs und die Veranlassung einer Mikroblutuntersuchung notwendig. Unternimmt die Hebammen nichts, liegt ein grober Behandlungsfehler vor.

 

Stadium: perinatal

 

 

OLG Oldenburg - 5 U 107/06 - 

Entscheidung vom 19.12.2007

Fundstelle: BeckRS 2010, 03973

 

Orientierungssatz:

Eine Hebamme, die es unterlässt, bei einem wegen eines tiefen Abfalls der Herztonfrequenz hochpathologischen CTG-Befund sofort einen Arzt zu rufen, handelt grob fehlerhaft (amtlicher Leitsatz).

 

Stadium: perinatal

 

Sonstiges: Teilurteil

 

 

OLG Düsseldorf - 8 U 37/05 -

Entscheidung vom 26.04.2007

Fundstelle: BeckRS 2008, 04420

 

Orienterungssatz:

Bei Untätigbleiben des Arztes in einer erkennbaren Notsituation des Fötus muss die Hebamme ggf. mit Nachdruck eigens dafür Sorge tragen, dass die notwendigen Maßnahmen vorgenommen werden.

 

Stadium: perinatal

 

 

BGH - VI ZR 299/04 -

Entscheidung vom 13.09.2005

Vorinstanz: OLG Oldenburg vom 13.10.2004

Fundstelle: BeckRS 2005, 10846

 

Orientierungssatz:

Hebamme, die trotz Anzeichen für eine fetale Gefahrensituation (keine konkreten Angaben zum Sachverhalt) nicht sofort den behandelnden Arzt hinzuzieht, begeht groben Behandlungsfehler.

 

Stadium: perinatal

 

 

LG Gießen - 4 O 563/00 -

Entscheidung vom 07.05.2001

Fundstelle: BeckRS 2009, 16160

 

Orientierungssatz:

Behandlungsfehler durch nicht bzw. nicht rechtzeitiges Hinzuziehen eines zur Geburtshilfe erforderlichen Facharztes: Die Hebamme hat bei Feststellung eines DIP II (schwerwiegendste Dezeleration, zeigt hohe fetale Gefährdung an, grundsätzlich Hinweis auf drohende oder bestehende kindliche Hypoxie) unverzüglich einen Arzt zu informieren. Ein verzögertes Beiziehen des Arztes um 30 Minuten genügt nicht den Anforderungen des § 2 der Berufsordnung für Hebammen.

Ferner erfordert der erneute Austritt von Fruchtwasser, welches zudem eine grüne Färbung aufweist (Alarmzeichen für Mekonium, Kindspech, hypoxierelevante Stresssituation) die unverzügliche Hinzuziehung eines Facharztes. Die Hebamme muss erkennen, dass ein telefonischer Bericht an einen Assistenzarzt im ersten Ausbildungsjahr nicht genügt, die notwendige Qualität einer Geburt zu sichern.

 

Stadium: perinatal

 

Sonstiges: Teilurteil

 

 

OLG Stuttgart - 14 U 65/99 -

Entscheidung vom 19.09.2000

Fundstelle: NJOZ 2001, 523

 

Orientierungssatz:

Keine Haftung der Beleghebamme für Unterlassen, einen Arzt zu alarmieren, trotz eindeutiger fetaler Notsituation (grünes Fruchtwasser, pathologisches CTG, anhaltende Dezelerationen), Hebamme als Erfüllungs- und Verrichtungsgehilfe des Belegarztes

 

Stadium: perinatal

 

 

OLG Oldenburg - 5 U 17/95 -

Entscheidung vom 16.01.1996

Fundstelle: VersR 1997, 1236

Orientierungssatz:

Eine Hebamme muss ein CTG aufzeichnen und ein pathologisches CTG erkennen können.

 

Stadium: perinatal

 

 

BGH - VI ZR 160/90 -

Entscheidung vom 18.12.1990

Vorinstanz: OLG Frankfurt - 24 U 18/89 - vom 06.04.1990

Fundstelle: NJW-RR 1991, 1373

 

Orientierungssatz:

OLG Frankfurt: Eine Hebamme muss wissen, wann eine frühzeitige Blasensprengung und eine Wehenmittelgabe indiziert ist und dass eine derartige Behandlung ohne die Möglichkeit der Kontrolle durch ein CTG-Gerät gegen die Regeln der ärztlichen Kunst verstößt. Macht die Hebamme dem lediglich über Telefon konsultierten Arzt keinen entsprechenden Vorhalt, so ist sie für den eingetretenen Schaden mitverantwortlich.

 

Stadium: perinatal

 

Sonstiges: BGH bejaht Haftung der Hebamme jedenfalls aufgrund "der massiven, den Kreislauf des Kindes erkennbar belastenden Medikation ohne CTG-Kontrolle"

 

 

Eingestellt am 02.12.2011