Rechtsinfo - Baurecht



Haftungsfalle des Architekten trotz bester Absicht


von:  RA Mirko Schmidt, Münster

Der bauleitende Architekt steckt häufig in einem Dilemma: Einerseits ist er erster Ansprechpartner der am Bau beteiligten Unternehmen, die mitunter schnelle Lösungen für unvorhergesehene Probleme erwarten, anderseits will er seinen Auftraggeber, also den Bauherrn, auch nicht wegen jedem Detail behelligen.

 

Daher kommt es häufig vor, dass er Aufträge an Bauunternehmen erteilt, ohne hierfür von dem Bauherrn bevollmächtigt worden zu sein. Beispielhaft wären hier die Anordnung von Stundenlohnarbeiten, ohne dass solche vom ursprünglichen Bauvertrag umfasst sind, zu nennen.

 

Weigert sich der Bauherr später, diese vom Architekten beauftragten Arbeiten zu zahlen, haftet der Architekt nach § 179 BGB:

 

          Wer als Vertreter einen Vertrag geschlossen hat, ist, sofern er nicht
          seine Vertretungsmacht nachweist, dem
   anderen Teil nach dessen Wahl
          zur Erfüllung oder zum Schadensersatz verpflichtet, wenn der Vertretene
          die  Genehmigung des Vertrags verweigert.

 

als Vertreter ohne Vertretungsmacht und muss die Kosten für die Durchführung des Auftrags selbst bezahlen.

 

Auch die Berufshaftpflichtversicherung des Architekten kommt in derartigen Fällen nicht für die Schäden auf, da der Versicherungsschutz nur fahrlässig verursachte Schäden an Sachen oder Vermögen des Bauherren oder Dritter bzw. Personenschäden abdeckt. Die Bezahlung eines Auftrags, der ohne Vollmacht und Wissen des Bauherren erteilt wurde, fällt nicht hierunter. Es handelt sich versicherungsrechtlich um einen Eigenschaden, den der Architekt sich selbst zugefügt hat, weshalb die Versicherung leistungsfrei bleibt.

 

Der Architekt ist daher gut beraten, sich auf die bloße Auftragsvorbereitung zu beschränken oder sich gegenüber seinem Bauherrn durch eine schriftliche Vollmacht, in der er ausdrücklich zur konkreten Auftragserteilung ermächtigt wird, abzusichern.

 

Eingestellt am 07.05.2012