Rechtsinfo - Arbeitsrecht



Benachteiligung/Diskriminierung beim Auswahlverfahren; keine Einladung zum Vorstellungsgespr?ch


von:  Rechtsanwalt Friedrich Kellersmann, M?nster
- Fachanwalt f?r Arbeitsrecht -


Das BAG hebt in seiner Entscheidung vom 23.08.2012 - 8 AZR 286/11 - darauf ab, dass im Rahmen einer Personalauswahlentscheidung unter Diskriminierungs-gesichtspunkten ein Nachteil bereits dann vorliege, wenn Bewerber vorab, ohne die Möglichkeit, sich persönlich präsentieren zu können, ausgesondert werden. Da die ungünstigere Behandlung bereits in der Versagung einer Chance liege, sei es irrelevant, ob tatsächlich ein anderer Bewerber eingestellt worden sei.

 

Arbeitgeber müssen durch eine Geschäftsanweisung eindeutig und klar regeln, wer zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen wird. Dies gilt für den öffentlichen Dienst noch mehr. Dort ist die Einladung zu einem Vorstellungsgespräch zumindest für Schwerbehinderte fast immer zwingend.

 

Es kommt auch nicht nur darauf an, ob der Arbeitgeber jemanden für ungeeignet hält, sondern ob nach herrschender Verkehrsanschauung eine solche Ungeeignetheit festgestellt werden kann. Die Verkehrsanschauung stellt dann letztlich das Gericht im Streitfall fest.

 

Die Chancen für eine Einstellung bzw. einen Entschädigungsanspruch nach dem AGG steigen. Die Anforderungen der Rechtsprechung sind in letzter Zeit stetig konkretisiert worden. Das Einstellungsverfahren muss von dem Arbeitgeber immer formalisierter gestaltet werden, will man nicht - und das nicht nur bei sogen. AGG-Hoppern - in eine Entschädigungsfalle laufen.

 

Eingestellt am 01.02.2013