Rechtsinfo - Zivilrecht



Tennistrainer hat aktiv auf Vermeidung von Sturzrisiken durch auf dem Tennisplatz liegende Bälle hinzuwirken.


von:  Rechtsanwalt Hans-Georg König, Münster

Jeder Tennis-, Handball- oder Fußballspieler kennt dies oder hat es auch schon schmerzlich selbst erleben müssen: Auf dem Platz herumliegende Bälle stellen eine Stolperfalle erster Güte dar. Vielfach ist bloße Bequemlichkeit oder Spieleifer der Grund für die Missachtung derartiger Gefahren.

 

Kommt es dadurch zum Sturz, hat dies mitunter gravierende Folgen für Körper und Gesundheit des Betroffenen.

 

So ging es auch einem Tennisschüler in Bremen, der als Anfänger nach 4 oder 5 Stunden Tennistraining beim Zurücklaufen, um einen von seinem Trainer gespielten hohen Ball zu erreichen, auf einen im Spielfeld liegenden Tennisball trat und stürzte. Er erlitt hierdurch eine Patellarsehnenruptur (= Riss der Sehne zwischen dem unteren Pol der Kniescheibe und dem Schienbeinhöcker) am rechten Knie, was trotz operativer Versorgung möglicherweise zu einem zunehmenden Dauerschaden führen wird.

 

Er verklagte daraufhin den Tennistrainer auf Zahlung eines Schmerzensgeldes in Höhe von 4.500,00 € und verlangte materiellen Schadensersatz für ihm entstandene Attestkosten, Reisestornokosten und eine Kostenpauschale für Telefonate, Laufereien etc.

 

Während das Landgericht Bremen diese Klage noch abwies, hatte der Kläger in II. Instanz mehr Erfolg; das OLG Bremen - 1 U 13/13 - verurteilte den verklagten Tennistrainer mit Urteil vom 13.03.3013 zur Zahlung des verlangten Schmerzensgeldes und sprach dem Tennisschüler unter Berücksichtigung einer Mitverschuldensquote von 1/3 auch Ersatz des geltend gemachten materiellen Schadens zu.

 

Das OLG Bremen führte u.a. aus:

 

"Aufgrund der Überlegenheit in allen fachlichen Belangen bei gleichzeitiger Unerfahrenheit und Weisungsunterworfenheit des Schülers, der jenem in weiterem Umfang vertraut, besteht eine umfassende Verpflichtung eines jeden Sporttrainers, alle für seine Schüler von der Sportausübung selbst ausgehenden Gefahren zu beherrschen und weitestgehend zu vermindern."

 

Der erfahrene Tennistrainer müsse, so das OLG Bremen weiter, insbesondere, wenn er es mit einem Anfänger im Tennissport zu tun habe, in vielfältiger Weise bei ihm erkennbaren Gefahrsituationen hierauf unverzüglich angemessen reagieren, den Schüler warnen und entsprechend instruieren. In jeder Sportart oblägen dem Trainer umfassende Schutz- und Fürsorgepflichten.

 

Folglich müsse vermieden werden, dass Bälle im Bewegungsradius bzw. Laufweg des Schülers auf dem Tennisplatz herumlägen. Der Tennisschüler müsse angehalten werden, diese aufzusammeln oder anderweitig aus dem Gefahrbereich zu entfernen, ggf. müsse ein Warnruf erfolgen.

 

Allerdings kam auch der betroffene Tennisschüler nicht ungeschoren aus der Sache heraus; denn selbst von einem Anfänger könne erwartet werden, dass er wahrgenommene Bälle aus dem Spielfeld entferne. Dies führte dann zu einer Mitverschuldensquote von 1/3.

 

Hieraus ergeben sich für Sporttrainer und Vereine weitergehende Empfehlungen:

 

1.

Abschluss eines schriftlichen Trainingsvertrages (= Dienstvertrag im Sinne von § 611 BGB), aus dem sich eindeutig Rechte und Pflichten von Trainer und Schüler ergeben;

 

2.

Eine ausreichende und stets neuen Gegebenheiten angepasste Haftpflichtversicherung;

 

3.

Regelmäßige (schriftlich festgehaltene) Gefährdungsanalyse und daraus folgend ein entsprechender Maßnahmenkatalog;

 

4.

Klare Abgrenzung von Zuständigkeit und Gefahrbereichen, etwa bezüglich Platzwart/Hausmeister, Platzeigentümer und Sportverein.

 

Eingestellt am: 08.08.2013