Rechtsinfo - Arbeitsrecht



Scheinpraktikum - Das kann teuer werden.


von:  Rechtsanwalt Hans-Georg König, Münster

In vielen Berufen und Branchen sind Praktika, teils über Monate hinweg, üblich und mitunter auch im Rahmen des Studiums oder der sonstigen Ausbildung ausdrücklich vorgeschrieben. Der Praktikant kann sich so insbesondere in theorielastigen Ausbildungs- oder Studiengängen in der Praxis erproben und noch, recht unverbindlich, erste Berufserfahrungen machen; der Betrieb legt sich hingegen noch nicht endgültig fest, vermeidet vor allem Probleme bei einer erforderlichen Trennung mangels Eignung.

 

Es gibt aber auch Branchen, insbesondere im sogenannten Kreativbereich (siehe „Der Spiegel“, Nr. 24, 2014, S. 30), in denen monatelange unbezahlte oder schlechtbezahlte Praktika an der Tagesordnung sind. Nicht um sonst sprach man noch vor wenigen Jahren von der „Generation Praktikum“.

 

An jedem Arbeitstag in der Bundesrepublik sind laut „FAZ“ vom 26.05.2014 rd. 600.000 Praktikanten beschäftigt.

 

Dass die unentgeltliche Beschäftigung für Praktikanten für den Betrieb nicht ohne Risiko ist, zeigt eine aktuelle Entscheidung des ArbG Bochum – 2 Ca 1482/13 – vom 25.03.2014, wo aus einem „Schnupperpraktikum“ schnell einmal eine Lohnnachzahlung von über 17.000,00 € erwuchs.

 

Die Klägerin in diesem Verfahren war von dem beklagten Lebensmittelgeschäft im Rahmen eines unentgeltlichen „Schnupperpraktikums“ über Monate hinweg beschäftigt worden und hatte dabei die üblichen Arbeiten einer Verkäuferin (Waren ein- und ausräumen, kassieren und Reinigungsarbeiten) zu verrichten. So waren nach acht Monaten rd.1.728 Arbeitsstunden aufgelaufen, hierfür klagte die Praktikantin den üblichen Lohn ein.

 

Das Arbeitsgericht Bochum gab ihr Recht. Die Klägerin habe in erheblichem Maße wirtschaftlich verwertbare Leistungen erbracht, hierdurch habe sie eine ansonsten voll zu bezahlende Arbeitskraft faktisch ersetzt. Es handele sich um ein als Praktikum getarntes vergütungspflichtiges Arbeitsverhältnis, die Abrede der Unentgeltlichkeit erfülle den Tatbestand des Lohnwuchers gem. § 138 Abs. 2 BGB. Sie sei daher sittenwidrig und rechtsunwirksam. Der Betrieb müsse daher die übliche Vergütung von 10,00 € Std. brutto zahlen.

 

Also Vorsicht bei lang andauernden Praktika mit nicht angemessener Vergütung; in § 20 des jetzt verabschiedeten  Mindestlohngesetzes (MiLoG) wird die Grenze bei 3 Monaten gezogen, für darüber hinaus gehende Praktika ist ebenfalls ein Mindestlohn von 8,50 €/Std. brutto zu zahlen.

 

Eingestellt am 10.06.2014