Rechtsinfo - Arbeitsrecht



Dürfen Mitarbeiter kritisch auf ihr Übergewicht angesprochen werden?


von:  Rechtsanwalt Hans-Georg König

Die Klägerin hatte sich bei einer Patienten-Selbsthilfeorganisation um die ausgeschriebene Position des Geschäftsführers beworben und war nach einem ersten Vorstellungsgespräch in die zweite Runde gekommen.

 

Am Vorabend des vereinbarten zweiten Vorstellungsgesprächs erhielt sie seitens des beklagten Vereins eine E-Mail, die sich kritisch mit ihrem (vermeintlichen) Übergewicht befasste.

 

Die – nicht eingestellte – Klägerin verlangte aufgrund einer von ihr darin gesehenen Diskriminierung eine Entschädigung in Höhe von 30.000,00 € mit der Begründung, sie sei keineswegs übergewichtig, trage die durchschnittliche Damenkleidergröße 42.

 

Mit dieser Klage hatte sie jedoch beim ArbG Darmstadt – 6 Ca 22/13 – keinen Erfolg. Im Urteil vom 12.06.2014 führte das Gericht aus, nach den abschließend in § 1 AGG aufgeführten Benachteiligungsgründen sei nicht von einer Behinderung der Klägerin auszugehen. Soweit man sie im Rahmen des Bewerbungsprozesses als stark übergewichtig wahrgenommen habe, könne hieraus nicht gefolgert werden, dass Vorstandsmitglieder des beklagten gemeinnützigen Vereins dies als behandlungsbedürftige Adipositas mit hieraus folgenden Einschränkungen für die gesellschaftliche und berufliche Teilhabe gewertet hätten.

 

Ebenso wenig sei das allgemeine Persönlichkeitsrecht der Klägerin schwerwiegend verletzt worden. Dem Arbeitgeber stehe im Rahmen seiner Entscheidungsfindung bei der Stellenbesetzung ein großer Entscheidungs- und Beurteilungsspielraum zu.

 

Eingestellt am 04.09.2014