Rechtsinfo - Arbeitsrecht



Zerrüttungsprinzip im Arbeitsrecht?


von:  Rechtsanwalt Friedrich Kellersmann, Münster
- Fachanwalt für Arbeitsrecht -


Wenn eine Ehe zerrüttet ist, kann man sich in der Regel nach einem Jahr Trennung scheiden lassen. Reicht die Zerrüttung auch im Arbeitsleben, damit dieses Dauer-schuldverhältnis gekündigt werden kann?

 

Manch Arbeitgeber will mit einem Arbeitnehmer nicht mehr zusammenarbeiten; es treibt ihm förmlich den Schweiss auf die Stirn, wenn er den Mitarbeiter nur sieht.

 

Von einer Zerrüttung kann man in solchen Fällen also durchaus sprechen, insbesondere wenn der betreffende Mitarbeiter im Kollegenkreis oder gegenüber Dritten über den Arbeitgeber im Betrieb unsachlich hergezogen ist. Die Zerrüttung allein reicht für eine Trennung aber nur in kleinen Betriebseinheiten, wenn sich die beiden Parteien - wie in der Ehe - schlicht nicht aus dem Weg gehen können. Im Arbeitsrecht gibt es deshalb die sogenannte Kleinbetriebsklausel des § 23 Abs. 1 KSchG, wonach mehr als 10 Vollzeitkräfte (ohne Auszubildende) beschäftigt werden müssen, bevor der Kündigungsschutz nach diesem Gesetz greift. – In größeren Betrieben wird es mit dem Nachweis einer Zerrüttung als Grundlage einer arbeitgeberseitigen Kündigung schwieriger. Hier gibt es aber noch die Möglichkeit des § 9 KSchG der Auflösung des Arbeitsverhältnisses durch gerichtliche Entscheidung gegen Zahlung einer Abfindung (zur Höhe siehe § 10 KSchG).

 

Gerade in Zeiten von Facharbeitermangel und unter Verhältnismäßigkeitsgesichts-punkten dürfte es allerdings der bessere Weg sein, durch ein klärendes Mitarbeitergespräch, Supervision oder eine Mediation die Ursachen der aufgetauchten Differenzen zu ergründen und ggf. eine neue Basis für eine gedeihliche weitere Zusammenarbeit zu finden.

 

Eingestellt am 29.03.2016