Rechtsinfo - Reiserecht



Unfälle im Wintersport


von:  Rechtsanwalt Hans-Georg König, Münster

Wintersportler müssen sich an die 10 Regeln des Internationalen Skiverbandes (FIS-Regeln) halten (abrufbar unter: www.Deutscher-Skiverband.de). In ihnen sind Verhaltens- und Sorgfaltsanforderungen festgehalten.

Die FIS-Regeln werden von den deutschen Gerichten gewohnheitsrechtlich anerkannt. Sie gelten nicht nur für Skifahrer, sondern auch für Snowboarder (LG Traunstein, Az.: 3 O 50/94) sowie für die Benutzer von Schlitten (AG St. Blasien, Az.: C 103/97).

Wintersportler haften für Unfälle, wenn sie die FIS-Regeln missachten und dies zu einem Schadensfall führt.

Grundsätzlich haben die vorherfahrenden Ski- und Snowboardfahrer Vorfahrt vor den hinter ihnen fahrenden Wintersportlern.

Allerdings gilt dies auch nicht unbegrenzt. So entschied das Landgericht Coburg (Az.: 23 0 736/05), dass ein Skifahrer, der einen von hinten heranfahrenden minderjährigen Nachwuchsskifahrer im letzten Augenblick doch noch bemerkte, aber dennoch seine Spur beibehielt, an dem dann folgenden Zusammenstoß zur Hälfte Mitschuld hatte. Das Gericht war der Auffassung, dass er bei entsprechender Umsicht noch ausweichen hätte können.

Das LG Bonn (Az. 1 O 484/04) entschied, dass bei einem Zusammenstoß von einem Ski- und einem Snowboardfahrer an einer Pistenkreuzung, bei dem sich die Schuldfrage nicht klären lässt, der Snowboardfahrer 60 Prozent der Haftung übernehmen müsste, weil das Snowboard in der Regel schwerer als normale Skier sei und daher auch ein höheres Verletzungsrisiko bestehe; ein Snowboard sei auch schwieriger zu steuern.


Eingestellt am: 20.07.2007