Rechtsinfo - Medizinrecht



Haftungsrisiken bei Sch?nheitsoperationen


von:  Rechtsanwalt Hans-Georg K?nig, M?nster
- Fachanwalt f?r Medizinrecht -


Auch in Deutschland nimmt der Trend, sich einer Schönheitsoperation zu unterziehen, stetig zu, und damit auch die in diesem Zusammenhang stehenden Konflikte. So ist eine steigende Anzahl von Patienten zu verzeichnen, die mit dem Ergebnis der Behandlung aus verschiedenen Gründen nicht zufrieden sind.

Man sollte sich daher immer an einen ausgebildeten Facharzt wenden. Hier ist jedoch bereits Vorsicht geboten, denn "Schönheitschirurg", "ästhetischer Chirurg" oder "kosmetischer Chirurg" kann sich jeder nennen, da für Eingriffe an gesunden Menschen kein Medizinstudium erforderlich ist. Außerdem gibt es sehr viele Ärzte verschiedenster Fachrichtungen, die zwar solche Eingriffe vornehmen, aber nicht immer hierfür ausreichend qualifiziert sind. Oftmals wurde das vorhandene Wissen nur in Wochenendkursen erworben. Nicht jeder, der sich als Spezialist ausgibt, ist dies also wirklich.

Eine Ausbildung in dem Bereich plastische Chirurgie haben nur Ärzte mit der Bezeichnung "Facharzt für plastische Chirurgie" oder Ärzte, die die Zusatzausbildung "Plastische Operationen" absolviert haben.

Der Arzt muss den Patienten vor der geplanten Schönheitsoperation umfassend über die Therapie und die Risiken aufklären. In der Rechtsprechung (BGH - VI ZR 8/90 - Urteil v. 06.11.1991) gilt für kosmetische Eingriffe, die nicht medizinisch geboten sind, hinsichtlich der Aufklärung ein besonders strenger Maßstab. Da etwaige Risiken dem Patienten deutlich vor Augen geführt werden müssen, ist auf mögliche Operationsergebnisse, die neue teurere Eingriffe verursachen, genauso hinzuweisen wie z.B. auf eine eventuelle Narbenbildung und schlaffe Haut. Soweit der Arzt nur auf die allgemeinen Gefahren einer Operation hinweist, kommt er seiner Aufklärungspflicht nicht nach und kann sich demgemäß im Falle einer fehlgeschlagenen Operation nicht nur schadensersatzpflichtig machen, sondern auch zur Rückzahlung des Honorars verpflichtet sein.

Kommt es zu Konflikten darüber, ob der Chirurg vor einer Schönheitsoperation umfassend über die zu erwartenden Ergebnisse und die Risiken der Operation aufgeklärt hat oder nicht, muss der Arzt beweisen, dass er dies getan hat. Im Zweifel gilt dann nur das, was im Aufklärungsbogen steht und von dem Patienten unterschrieben wurde.

Die Aufklärung hat nicht nur vollständig, sondern auch rechtzeitig zu erfolgen. Auch dies hat der Arzt im Streitfall zu beweisen. Ein Aufklärungsgespräch am Vorabend einer Schönheitsoperation ist jedenfalls zu spät. Es muss grundsätzlich schon bei der Vereinbarung eines Operationstermins geführt werden, entschied das OLG Frankfurt a.M. (Az.: 8 U 47/94).

Selten gestehen Schönheitschirurgen eine misslungene Operation ein. Selbst bei offensichtlichen Verunstaltungen werden Patienten damit vertröstet, dass sich das Ergebnis erst mit der Zeit einstellen werde.

Sind Sie der Meinung, dass Ihre Schönheitsoperation durch einen Fehler des Arztes misslungen ist, dann sollten Sie sich von einem Spezialisten für Arzthaftungsrecht beraten lassen. Oftmals haben Patienten, die einen Behandlungsfehler des Arztes vermuten, jedoch nicht den Mut, sich anwaltlich beraten oder vertreten zu lassen, etwa weil sie sich schämen, überhaupt eine solche Behandlung in Anspruch genommen zu haben. Ohne juristischen Beistand ist eine Durchsetzung von eventuellen Ansprüchen allerdings häufig zum Scheitern verurteilt. Medizinrecht, worunter Schönheitsoperationen oder kosmetische Operationen fallen, ist eine komplexe und diffizile Spezialmaterie.


Eingestellt am: 23.07.2007