Rechtsinfo - Medizinrecht



Selbsthilfegruppen, Patienteninitiativen und sonstige Informationsm?glichkeiten bei (vermutetem) ?rztlichem Kunstfehler


von:  Rechtsanwalt Hans-Georg K?nig, M?nster
- Fachanwalt f?r Medizinrecht -


Das Robert-Koch-Institut in Berlin geht von bis zu 12.000 Behandlungsfehlern in deutschen Krankenhäusern und Arztpraxen pro Jahr aus. Ärztliche Kunstfehler im Krankenhaus gehören zu den 10 häufigsten Todesursachen.

Der Patient als medizinischer Laie fühlt sich im Schadensfall häufig in einer unterlegenen Position, steht ihm doch in Gestalt der Ärzte, Krankenhausträger und ihrer Haftpflichtversicherungen das geballte medizinische Fachwissen gegenüber. Hier kann auch mit langem Atem und viel Geld prozessiert werden. Behandlungsfehler werden zudem nicht selten schlicht ignoriert oder gar vertuscht, bagatellisiert oder als schicksalsbedingt abgetan.

Zuwarten verbietet sich regelmäßig angesichts der dreijährigen Regelverjährungsfrist und der Not-wendigkeit, mitunter umfangreiche Patientenunterlagen einzusehen und auszuwerten sowie mit Vor- oder Nachbehandlern Kontakt aufzunehmen. Spätfolgen einer misslungenen medizinischen Behandlung können gravierend für die weitere Lebensgestaltung - auch in Bezug auf Familie und das sonstige persönliche Umfeld - sein. Wer überblickt schon, und dies nicht selten zudem in einer stark emotionalisierten Konfliktsituation, das Ausmaß möglicher Zukunftsschäden?

Betroffene, die bei sich oder Angehörigen eine Fehlbehandlung vermuten, sind daher gut beraten, sich schon im Vorfeld einer juristischen Auseinandersetzung umfassend zu informieren und gezielt kompetente Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Dabei können - auch hinsichtlich des sozio-emotionalen Umgangs mit (dauerhaften) Verletzungsfolgen - Selbsthilfegruppen, Patienteninitiativen, medizinische Sachverständige und sonstige Informationsstellen gute Dienste leisten, indem Fachinformationen vermittelt und sonstige Hilfen, auch in Bezug auf eine angemessene Schadensregulierung, zielgerichtet vermittelt werden.

Nachfolgend listen wir in alphabetischer Reihenfolge (ohne Anspruch auf Vollständigkeit, noch ei-gene Qualitätsbewertung) verschiedene Kontaktadressen zur Einholung derartiger Informationen auf:


- abeKra, Verband arbeits- und berufsbedingt Erkrankter (www.abekra.de)

abeKra ist ein Berufsverband, der darauf spezialisiert ist, seine Mitglieder in unfallversicherungsrechtlichen Fragen zu beraten. Die Website des Verbands enthält eine umfassende Datenbank rund um das Thema Gesetzliche Unfallversicherung (SGB VII). So werden die aktuellen Sozialversicherungsgesetze, die Gesetze über die Ermittlungs- und Feststellungsverfahren für die Gewährung bzw. Ablehnung von Solidarversicherungsleistungen und Entschädigungen aus der gesetzlichen Unfallversicherung, die Rechtsprechung zu Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten sowie weitergehende Informationen zum Gefahrstoffrecht, Chemikalien und Chemikalienpolitik bereitgehalten.


- AK Kunstfehler in der Geburtshilfe (www.arbeitskreis-kunstfehler-geburtshilfe.de)

Diese Selbsthilfevereinigung stellt Informationen für Eltern behinderter Kinder bereit. Angeboten wird Hilfe im medizinischen und juristischen Bereich nach der Geburt eines behinderten Kindes. Außerdem wird der Austausch von Betroffenen in regelmäßig angebotenen Treffen gefördert. Weiterhin engagiert der Arbeitskreis sich in der öffentlichen Diskussion über die ärztliche Tätigkeit im deutschen Gesundheitswesen, insbesondere nehmen Mitglieder als Gesprächspartner an Ärztekongressen oder Symposien teil.


- Arbeitskreis Medizingeschädigter (www.akmg.de)

Der 1995 gegründete Verein bietet in erster Linie Hilfe für Betroffene eines Behandlungsfehlers durch Betroffene oder deren nahe Angehörige. Zum Angebot gehören Telefonsprechstunden zu normalen Telefongebühren mit Patienten-Anwälten einmal im Monat sowie An-waltslisten aus dem gesamten Bundesgebiet (nur für Mitglieder). Außerdem unterhält der Arbeitskreis ein Büro in Isny im Allgäu mit festen Sprechzeiten.


- Bundesverband der Organtransplantierten (www.bdo-ev.de)

Der Bundesverband der Organtransplantierten unterstützt Patienten vor, während und nach der Organtransplantation. Im Vordergrund steht dabei die Betreuung durch Gespräche, Seminare und Reisen speziell für Transplantierte. Weiterhin gibt es ein umfassendes Bera-tungsangebot, sowohl medizinischer als auch juristischer Art. Darüber hinaus werden auch vergünstigte Versicherungen für Transplantierte angeboten. Ein wesentlicher Teil dieser Ar-beit wird von Regionalgruppen geleistet. Außerdem betreibt der Bundesverband Interessen-vertretung der Transplantierten auf nationaler und internationaler Ebene.


- Bundesverband Niere (www.bundesverband-niere.de)

Der Bundesverband Niere ist eine Selbsthilfeorganisation von Dialysepatienten, Nieren-transplantierten und deren Angehörigen. Er hat etwa 18 000 Mitglieder die in 163 regionalen Gruppierungen organisiert sind. Der Verband stellt seinen Mitgliedern umfangreiche Infor-mationen über Nierenkrankheiten und Dialyse zur Verfügung, insbesondere bringt er auch eine eigene Zeitschrift: "Der Dialysepatient" heraus. Außerdem kann auf der Website nach Selbsthilfegruppen im gesamten Bundesgebiet gesucht werden.


- Deutsche Gesellschaft für Versicherte und Patienten (www.dgvp.de)

Die Deutsche Gesellschaft für Versicherte und Patienten ist ein unabhängiger, überparteilicher und gemeinnütziger Verein, der sich die Interessenvertretung der Bürger im Gesundheitssystem zur Aufgabe gemacht hat. Auf die Gesundheitspolitik nimmt der Verein Einfluss, indem er Sachverständige in Parlamentssitzungen entsendet sowie durch eigene Veranstal-tungen und Publikationen. Für Mitglieder werden Informationen über das Gesundheitssystem in Form von Broschüren, Musterbriefen und Merkblättern sowie Beratung durch unabhängige Spezialisten bereitgehalten.


- Deutscher Patientenschutzbund (www.bag-notgemeinschaften.de)

Auf der Internetseite dieses unabhängigen Selbsthilfe-Dachverbands werden Betroffenen Hinweise gegeben, mit einen Behandlungsfehler juristisch korrekt umzugehen. So wird u. a. auf Dokumentationspflichten hingewiesen, es gibt Ratschläge zum Umgang mit Sachverständigengutachten, außerdem ist das Arzthaftungsrecht nach dem Schuldrechtsmodernisierungsgesetz von 2001 detailliert dargestellt. Darüber hinaus können sich Mitglieder auf der Internetplattform über ihre Schicksale austauschen.


- Deutsche Stiftung Organtransplantation (www.dso.de)

Die deutsche Stiftung Organtransplantation koordiniert postmortale Organspenden bundes-weit. Sie vertritt sowohl die Interessen von Organspendern als auch von Menschen, die auf eine Transplantation hoffen. Die Arbeit der Stiftung fördert die Transplantationsmedizin Deutschlands, indem intensive Öffentlichkeitsarbeit betrieben wird und der Wissenstransfer auf internationaler Ebene durch regelmäßigen Erfahrungsaustausch und Fachtreffen gefördert wird. Durch das Fachpersonal werden Krankenhäuser vor und während der Organtransplantation beraten und unterstützt.


- Institut für die Begutachtung ärztlicher Behandlungen (www.aerztliche-begutachtung.com)

Das in Berlin ansässige Institut erstellt gerichtsverwertbare medizinische Gutachten in fast allen Bereichen, angeboten werden insbesondere Behandlungsfehlergutachten, aber auch Pflege-, Schwerbehinderten- und Sozialgutachten. Erstellt werden die Gutachten von ca. 20 Ärzten verschiedener Fachrichtungen.


- Institut für Medizinschäden und Patientenrecht (www.impat.de)

Der Schwerpunkt der Arbeit der IMPat GmbH liegt in der Vermittlung medizinischer Gutachten und Stellungnahmen von Professoren, Oberärzten und niedergelassenen Fachärzten bei Verdacht auf Behandlungsfehler. Zur Vermeidung langjähriger und unsicherer Gerichtsprozesse sollen medizinische Sachverhalte durch Einschaltung eines Gutachters bereits vorgerichtlich umfassend und gründlich geklärt werden. Die IMPat GmbH vermittelt gutachterliche Stellungnahmen zu Einzelfragen im Bereich Diagnostik und Therapie, umstrittenen medizinischen Sachverhalten, medizinischen Fragestellungen bei Vergleichsverhandlungen, Kausalitätsfragen, anderweitig erstellten Gutachten, gerichtlichen Sachverständigengutachten und umstrittenen Folgeschäden.


- Klinikführer der Techniker Krankenkasse (www.tk-online.de)

Hier werden detailliert 200 ausgewählte Großstadtkrankenhäuser bewertet; darüber hinaus sind Qualitätsberichte aller rund 2000 deutschen Kliniken enthalten. Grundlage ist eine repräsentative Befragung von mehr als 50 000 Patienten zu ihrer Zufriedenheit mit ihrem stationären Aufenthalt/ihrer Behandlung in den ausgewählten Großstadtkrankenhäusern. Zusätzlich werden in dem Klinikführer 1. 300 medizinische Fachbegriffe anschaulich erläutert.


- Medizinrechtliches Informationsportal (www.medizinrecht.de)

Die Homepage der Medizinrecht.de GmbH versorgt Interessierte mit vielerlei Informationen rund um das Gesundheitswesen. So wird eine umfassende Datenbank mit Urteilen und wis-senschaftlichen Beiträgen bereitgehalten (teilweise kostenpflichtig). Außerdem finden sich diverse Suchmaschinen, wie etwa zur Anwalts- oder Fachbuchsuche.


- Naturheilverfahren nach Kneipp (www.kneippvisite.de)
Dargestellt werden in lexikalischer Form Naturheilverfahren nach den Lehren des Pfarrers Sebastian Kneipp. Es finden sich ausführliche, auch für einen medizinischen Laien ver-ständliche Artikel zum Kneippschen Gesundheitssystem mit seinen 5 Elementen: Wasser, Bewegung, Ernährung, Heilpflanzen und Lebensrhytmus.


- Patient als Partner (www.patient-als-partner.de)

Das Bundesministerium für Gesundheit hat im Jahr 2001 den Förderschwerpunkt "Patient als Partner im medizinischen Entscheidungsprozess" gegründet. Diese Einbeziehung des Patienten wird auch als partizipative Entscheidungsfindung (= shared decision making) bezeichnet, das bedeutet die Beteiligung von Patienten an den sie betreffenden individuellen Behandlungsentscheidungen durch den Arzt. Auf der Website werden die zentralen Fragestellungen, praktische und methodische Herangehensweisen sowie die wichtigsten Ergebnisse dargestellt.


- Privates Netzwerk Medizingeschädigter (www.geoffrey-mike.de)

Diese Website wird von Angehörigen betrieben, deren Verwandte durch einen Behandlungsfehler starben. Die Betreiber wollen das Zusammenkommen von Betroffenen fördern, um einen Erfahrungs- und Informationsaustausch zu ermöglichen und ein Netzwerk Geschädigter aufzubauen, damit gemeinsam an der Verbesserung der Missstände gearbeitet werden kann. Bereitgehalten werden Informationen über den Umgang mit Behandlungsfehlern, Diskussionsforen sowie Verzeichnisse verschiedener Selbsthilfegruppen.


- Schwelmer Modell (www.schwelmer-modell.de)

Das Therapiekonzept im Schwelmer Modell behandelt Neurodermitis nicht wie eine reine Hautkrankheit, sondern ganzheitlich, das heißt, der Mensch in seinem Umfeld, nicht nur die Haut wird in die Therapie miteinbezogen. Daher wird die Therapie gemeinsam von Allergologen, Psychologen, Ernährungswissenschaftlern, Pädagogen und Körpertherapeuten durchgeführt, dadurch sollen die individuellen Ursachen der Neurodermitis herausgefunden werden und direkt an diesen behandelt werden. Die Homepage bietet Informationen über die Krankheit, Links zu Selbsthilfegruppen und Rezepte für die Zubereitung allergenarmer Speisen.


- Unabhängige Patientenberatung Deutschland (www.unabhaengige-patientenberatung.de)

Die unabhängige Patientenberatung bietet bundesweit Beratung zu gesundheitsrelevanten Themen. Sie unterhält 22 Beratungsstellen, ein bundesweites Beratungstelefon sowie überregionale krankheits- und themenspezifische Beratung. Dieser Service ist kostenfrei, da die Spitzenverbände der gesetzlichen Krankenkassen nach § 65 b SGB V die unabhängige Patientenberatung fördern.


- Viamed Medical Consulting (www.viamed.de)

Neben medizinischen Dienstleistungen bietet Viamed einen Gutachtenvermittlungsdienst, sowohl für die Suche nach einem privaten Gutachter als auch nach einem gerichtlichen Sachverständigen bei eventuellen Behandlungsfehlern. Darüber hinaus bietet Viamed einen so genannten Übersetzungsservice, sie "übersetzen" medizinische Befunde, Arztbriefe und Operationsberichte in eine auch dem medizinischen Laien verständliche Sprache. Weiterhin übersetzen sie auch medizinische Befunde in und von 20 Fremdsprachen.


- Zentrum zur Dokumentation für Naturheilverfahren (www.zdn.de)

Das ZDN engagiert sich für den Erhalt der Naturheilkunde und der Naturheilverfahren. Schwerpunktmäßig vermittelt der Verein zwischen Therapeuten und Patienten, insbesondere durch Bereitstellung einer Datenbank mit ca. 400 Einträgen von Therapeuten, die auf dem Gebiet der Ganzheitsmedizin ausgebildet sind. Außerdem informiert der ZDN über die Leistungspflichten der gesetzlichen Krankenversicherer und kämpft für deren Ausweitung.


Eingestellt am: 26.07.2007