Rechtsinfo - Reiserecht



Sicherheitsm?ngel bei Vertraghotels - Haftung des Reiseveranstalters?


von:  Rechtsanwalt Hans-Georg K?nig, M?nster

Das Oberlandesgericht Köln entschied mit Urteil vom 18.12.2006 (Az.: 16 U 40/06), dass ein Reiseveranstalter an die Witwe eines verunglückten Urlaubers Schmerzensgeld und Beerdigungskosten zu zahlen habe.
Der Urlauber war vom Balkon im dritten Stock eines Hotels in der Türkei gestürzt, dessen Brüstung lediglich 56 cm hoch war. Dabei ist der Mann tödlich verunglückt. Zum Zeitpunkt des Unfalls war er alkoholisiert. Die Balkonbrüstung mit der Höhe von 56 cm entspricht türkischen Bauvorschriften, während in Deutschland demgegenüber für eine vergleichbare Balkonfläche eine Balkonbrüstung von mindestens 90 cm vorgeschrieben ist.

Die zu niedrige Balkonbrüstung des türkischen Hotels stellt nach Auffassung des Gerichts einen Reisemangel dar, für den der Reiseveranstalter einzustehen hat. Ihn treffe bei der Vorbereitung und Durchführung der von ihm veranstalteten Reise eine Verkehrssicherungspflicht. Diese erstrecke sich auch auf die Auswahl und Kontrolle des Vertragshotels.

Der Veranstalter der Reise müsse sich insbesondere darüber vergewissern, dass die von ihm unter Vertrag genommenen Hotels einen ausreichenden Sicherheitsstandard bieten. Bei der gebotenen Überprüfung hätte es sich gerade zu aufdrängen müssen, dass eine 56 cm hohe Balkonbrüstung zu niedrig und die Absturzgefahr als extrem hoch einzustufen sei. Gleichgültig sei dabei, dass die Balkonbrüstung den türkischen Bauvorschriften entsprochen habe.

Ebenfalls unbeachtlich sei, dass der Mann zum Zeitpunkt des Unfalls alkoholisiert war. Er hatte zuvor mit seiner Frau in der Hotelbar Alkohol zu sich genommen und war nicht mehr ganz nüchtern. Eine Balkonbrüstung bezwecke aber gerade, Gleichgewichtsstörungen, die durch leichte bis mittlere Alkoholisierung verursacht worden sind, aufzufangen. Dies gelte gerade im Urlaub; hier sei der Konsum von Alkohol üblich und normal. Er werde durch die Einrichtungen wie Hotelbars sogar gefördert. Der Balkon eines Hotelzimmers müsse daher auch durch einen alkoholisierten Gast gefahrlos zu betreten sein.

In einem weiteren Urteil des OLG Köln vom 18.12.2006 (Az.: 16 U 31/06) wurde eine Haftung des Reiseveranstalters für ein Sturzgeschehen in einem ausländischen Ferienhotel dagegen verneint. Hier war ein Familienvater in die Glastür eines Hotels in Bulgarien gestürzt und hatte sich dabei lebensgefährliche Verletzungen an der Hauptschlagader zugezogen.

Selbst nach deutschen Sicherheitsstandards müssten Glastüren wie etwa typische Balkon- oder Terrassentüren nicht mit splitterfreiem Glas ausgestattet sein oder gar Warnaufkleber tragen. Den Reiseveranstalter treffe auch keine besondere Pflicht, Glastüren in den von ihnen angebotenen Vertraghotels zu überprüfen.


Eingestellt am: 30.07.2007