Rechtsinfo - Reiserecht



Haftung des Reiseveranstalters für Diebstahl


von:  Rechtsanwalt Hans-Georg König, Münster

Das Landgericht Hannover entschied mit Urteil vom 5.4.2006 (Az.: 12 S 103/05), dass ein Reiseveranstalter nicht dafür haftet, wenn die wertvolle Videokamera eines Hotelgasts im Barbereich des Hotels abhanden gekommen ist.

Der Kläger hatte bei der Beklagten, einem Reiseveranstalter, eine Urlaubsreise für Ibiza gebucht. Er hatte, nachdem er sich zusammen mit seiner Frau das abendliche Showprogramm angesehen hatte, noch die Bar im Innenbereich des Urlaubhotels aufgesucht. Als das Ehepaar diese wieder verließ, hatte der Mann seine Videokamera nebst Zubehör auf einem Tisch zurückgelassen. Ein Kellner des Hotels hatte diese Kamera zunächst an sich genommen, sie dann aber wieder in der Annahme, das Ehepaar würde gleich zurückkommen, auf den Tisch zurückgestellt. Die Kamera war später spurlos verschwunden.

Der Forderung des Klägers nach Schadensersatz wurde zunächst durch das Amtsgericht stattgegeben, die Beklagte konnte aber erfolgreich Berufung einlegen.

Nach Auffassung des LG Hannover handelte der Hotelangestellte hier nicht als Erfüllungsgehilfe des Reiseveranstalters im Sinne des § 278 BGB, indem er die Videokamera zunächst an sich genommen hatte und dann wieder zurückstellte. Den Reiseveranstalter treffe im Barbereich eines Hotels keine Pflicht oder vertragliche Nebenpflicht zur Sorge um Gegenstände, die ein Hotelgast dort zurücklasse. Ein solcher Anspruch könne sich allenfalls gegen das Hotel selbst richten, das dann auch für seine Angestellten einzustehen hat.

Zudem sei das Eigenverschulden des Hotelgasts, der seine nach eigenen Angaben sehr wertvolle Kamera einfach unbeaufsichtigt in einem Bereich zurücklässt, der für Jedermann zugänglich sei, als derartig überwiegend gem. § 254 BGB einzustufen, dass selbst wenn man eine solche Pflicht annehme, eine Haftung des Hotelpersonals entfalle. Bedeutungslos sei hierbei, dass der Kellner die Kamera samt Zubehör zunächst an sich genommen und dann wieder auf den Tisch zurückgestellt hatte. Dies stelle allenfalls eine Übernahme von Obhutspflichten durch den Kellner zu Lasten des Hotels, nicht aber zu Lasten des Reiseveranstalters dar. Jedenfalls sei der Kellner hierbei kein Erfüllungsgehilfe des Reiseveranstalters.

Erfüllungsgehilfe oder Leistungserbringer ist der Kellner bzw. Hotelangestellte vor allem dann, wenn er Aufgaben wahrnimmt, die mit der eigentlichen Unterbringung des Reisenden zu tun haben, wie etwa die ständige Überprüfung von hoteleigenen sicherheitstechnischen Einrichtungen (z.B. Aufzüge und Balkongeländer).


Eingestellt am: 31.07.2007