Rechtsinfo - Medizinrecht



Zur zivilrechtlichen Haftung des Arztes/Zahnarztes


von:  Rechtsanwalt Christian Nicklas, Münster

Das zivilrechtliche Arzthaftpflichtrecht behandelt Problemstellungen im Arzt-Patienten-Verhältnis bei schuldhaft fehlerhafter Ausübung der (zahn-) ärztlichen Tätigkeit. Umfasst ist dabei auch die Mitwirkung des nachgeordneten medizinischen Hilfspersonals (z. B. Pfleger, Hebamme). Ferner haftet der Krankenhausträger bei bestimmten Fallkonstellationen.

Die Pflichten eines Arztes sind weitreichend, daraus möglicherweise resultierende Verstöße zahlreich. Im Wesentlichen wird zwischen Behandlungs-, Aufklärungs- und Dokumentationsfehlern unterschieden.

Neben einer fachgerechten Behandlung schuldet ein Arzt bei jeder ärztlichen Maßnahme eine sachgerechte Aufklärung sowie eine lückenlose Dokumentation erhobener Befunde und therapeutischer Maßnahmen. Entsprechende Anforderungen finden sich in ärztlichen Berufsordnungen.

Daneben haftet der Arzt für sonstige berufsrechtliche Verfehlungen, etwa bei Verstoß gegen die ärztliche Schweigepflicht, Falschabrechnung, unerlaubte Werbung etc.

Doch nicht jeder vermeintliche Verstoß führt auch zu einer Haftung des Arztes, verbunden mit der Zahlung von materiellem Schadenersatz oder Schmerzensgeld. Der Arzt schuldet keinen bestimmten Heilbehandlungserfolg, vielmehr nur eine Behandlung nach den anerkannten Regeln der ärztlichen Kunst. Es gibt auch schicksalsbedingte Verläufe der Heilbehandlung mit entsprechenden Schadensfolgen.

Sollte sich bei Ihnen die Vermutung eines Behandlungsfehlers stellen, ist es unbedingt ratsam, sich juristischer Hilfe bei einem Spezialisten zu bedienen. Die Erfahrung hat gezeigt, dass sich nur so Fehler vermeiden lassen und ein für Sie befriedigendes Ergebnis gesichert ist. Regelmäßig arbeiten auf das Medizinrecht spezialisierte Rechtsanwälte mit sachkundigen medizinischen Gutachtern verschiedener Disziplinen zusammen, um so eine abgerundete Sachverhaltserfassung zu sichern und eine fachkundige Beurteilung zu erreichen.

Einen hilfreichen Beitrag können Sie leisten, indem Sie bereits frühzeitig ein sog. Gedächtnisprotokoll fertigen, in dem Sie den Behandlungsverlauf festhalten. Lassen Sie sich Röntgenbilder und Behandlungsunterlagen aushändigen. Besonders empfehlenswert ist es, wenn Sie sich von dem Formular zur Patientenaufklärung sofort nach dem Aufklärungsgespräch eine Kopie machen lassen.

Ist Ihnen der Verdacht auf einen Medizinschaden erst einige Zeit nach der Behandlungsmaßnahme gekommen, ist besondere Eile geboten; die Regelverjährung beträgt 3 Jahre ab dem auf den Zeitpunkt der Kenntnis vom Schadensereignis folgenden Jahr.


Eingestellt am: 15.01.2008